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Kritische Rohstoffe in Alt-IT: Warum Leiterplatten, Speicher und Elektronik für das Recycling wertvoll sind

Ein ausgemusterter Server, ein defektes Notebook oder ein ausgebauter Netzwerkswitch enthält weit mehr als Stahl, Kunststoff und Kabel. In Leiterplatten, Speicherbausteinen, Steckverbindern und Kondensatoren stecken Metalle und Spezialmaterialien, die für die europäische Industrie wirtschaftlich und strategisch relevant sind. Dazu zählen unter anderem Kupfer, Tantal, Kobalt, Lithium, Gallium, Germanium und Elemente der seltenen Erden. Der Wert von Alt-IT entsteht deshalb nicht allein durch den möglichen Verkauf einzelner Geräte, sondern durch eine kontrollierte Kombination aus Wiederverwendung, Demontage und stofflicher Verwertung. Dieser Beitrag zeigt, welche Bestandteile besonders relevant sind, warum eine getrennte Behandlung entscheidend ist und wie Unternehmen Datenschutz, Ressourcenschutz und Nachweisführung miteinander verbinden können.

Vom ausgedienten Gerät zur industriellen Rohstoffquelle

Der Begriff „kritische Rohstoffe“ beschreibt keine einheitliche Materialklasse mit dauerhaft unveränderlicher Zusammensetzung. Die Europäische Union bewertet Rohstoffe vor allem danach, wie wichtig sie für die Wirtschaft sind und wie hoch das Risiko von Lieferengpässen eingeschätzt wird. Die Verordnung über kritische Rohstoffe führt derzeit 34 kritische Rohstoffe auf; ein Teil davon gilt zusätzlich als strategisch besonders bedeutend. Für 2030 nennt die EU unter anderem Ziele für den Ausbau von Gewinnung, Verarbeitung und Recycling innerhalb Europas. Altgeräte werden damit zu einem Bestandteil einer größeren Rohstoffstrategie: Sie können primäre Rohstoffe nicht vollständig ersetzen, aber Sekundärrohstoffe verfügbar machen und Materialverluste verringern.Besonders konzentriert finden sich wertvolle Materialien in Leiterplatten. Kupfer steckt in Leiterbahnen, Kontakten und Kabeln. Edelmetalle wie Gold, Silber oder Palladium werden in sehr kleinen Mengen eingesetzt, etwa für zuverlässige Kontaktflächen, Beschichtungen und bestimmte elektronische Bauteile. Tantal findet sich vor allem in speziellen Kondensatoren, die wegen ihrer elektrischen Eigenschaften in kompakter Elektronik verwendet werden. Je nach Gerät und Baujahr können außerdem weitere relevante Materialien enthalten sein. Entscheidend ist dabei nicht nur die Menge eines einzelnen Metalls, sondern die Konzentration in einer gut abtrennbaren Fraktion. Eine Leiterplatte kann deshalb im Verhältnis zu ihrem Gewicht deutlich interessanter sein als ein gemischtes Elektroaltgerät.Auch Speicher und Prozessoren sind aus Ressourcensicht relevant. Arbeitsspeicher, SSDs, Controller und andere Baugruppen enthalten Leiterplatten, Halbleiter, Kontaktierungen und unterschiedliche Metalle. Bei der Entsorgung sollten diese Komponenten nicht unkontrolliert mit Mischschrott vermengt werden. Durch eine vorgelagerte Sortierung lassen sich hochwertige Baugruppen getrennt erfassen und geeigneten Behandlungswegen zuführen. Ob ein Bauteil zur Wiederverwendung, zur Ersatzteilgewinnung oder zur stofflichen Verwertung gelangt, hängt vom Zustand, vom Gerätetyp, von der Nachfrage und von der sicheren Entfernung vorhandener Daten ab.Damit beginnt der Recyclingprozess bei Unternehmens-IT nicht erst in der Recyclinganlage. Bereits bei der Abholung sind Gerätearten, Mengen, Batterien, Datenträger und mögliche Wiederverwendungsoptionen zu erfassen. Server, Festplatten, SSDs, USB-Speicher und Smartphones benötigen zusätzlich eine dokumentierte Datenlöschung oder Datenträgervernichtung. Die mechanische Zerkleinerung ist kein Verfahren zur sicheren Datenlöschung. Datenträger müssen daher vor der weiteren Behandlung nach einem geeigneten, nachvollziehbaren Prozess bearbeitet werden. Bei besonders schutzbedürftigen Informationen kann die physische Vernichtung nach DIN 66399 vorgesehen werden. Wichtig sind klare Zuordnungen, sichere Transporte sowie Vernichtungs- und Entsorgungsnachweise.Eine weitere praktische Herausforderung sind Batterien und Akkus. Lithiumhaltige Energiespeicher können bei Beschädigung, falscher Lagerung oder mechanischer Behandlung Brände verursachen. Deshalb sollten akkubetriebene Geräte möglichst beschädigungsfrei, getrennt und nach den jeweils geltenden Vorgaben behandelt werden. Batterierecht und Elektroaltgeräterecht verfolgen dabei unterschiedliche, aber miteinander verbundene Ziele: Batterien sollen einer geeigneten Sammlung und Verwertung zugeführt werden, während Elektroaltgeräte schadstoffentfrachtet und verwertet werden müssen. Eine vorsortierte Übergabe verbessert sowohl die Arbeitssicherheit als auch die Qualität der nachfolgenden Recyclingfraktionen.Rechtlich bildet die WEEE-Richtlinie den europäischen Rahmen für die getrennte Sammlung und ordnungsgemäße Behandlung von Elektro- und Elektronikaltgeräten. In Deutschland wird dieser Rahmen insbesondere durch das Elektro- und Elektronikgerätegesetz und ergänzende Anforderungen an die Behandlung konkretisiert. Für zertifizierte Erstbehandlungsanlagen bedeutet das unter anderem, Altgeräte sachgerecht anzunehmen, zu sortieren, zu demontieren und Schadstoffe sowie verwertbare Bestandteile geeigneten Behandlungswegen zuzuführen. Die deutsche Statistik zeigt die Größenordnung: Nach vorläufigen Angaben wurden 2024 rund 758.000 Tonnen Elektroaltgeräte recycelt; zusätzlich wurden Geräte zur Wiederverwendung vorbereitet. Diese Zahlen beziehen sich auf alle erfassten Elektroaltgeräte und nicht ausschließlich auf IT.Für Unternehmen folgt daraus ein praktischer Grundsatz: Alt-IT sollte weder pauschal als Schrott noch ausschließlich als Gebrauchtware betrachtet werden. Ein professioneller Prozess prüft zunächst die Wiederverwendung, schützt anschließend die Daten und führt die nicht weiter nutzbaren Komponenten einer qualifizierten Verwertung zu. Corebo verbindet dafür Abholung, IT-Demontage, Datenträgerlöschung oder Datenträgervernichtung, Rückbau von Arbeitsplätzen und Rechenzentren sowie dokumentierte Entsorgung und Recycling. Als zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb kann das Unternehmen die einzelnen Prozessschritte nachvollziehbar abbilden. So wird aus ausgedienter IT keine unübersichtliche Reststoffmenge, sondern eine kontrollierte Rohstoff- und Sicherheitsaufgabe.

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