Die Evaluation der europäischen WEEE-Richtlinie hat ein Problem sichtbar gemacht, das über klassische Abfallstatistiken hinausgeht: Zu wenige Elektroaltgeräte werden getrennt erfasst, und dadurch gehen große Mengen wertvoller sowie kritischer Rohstoffe verloren. Die Europäische Kommission stellte 2025 fest, dass die bestehenden Vorgaben bei Sammlung, Rohstoffrückgewinnung, Herstellerverantwortung und Behandlung nicht ausreichen. Für Unternehmen bedeutet das zunächst keine automatisch neuen Pflichten. Es zeichnet sich jedoch deutlich ab, dass Rücknahme, IT-Entsorgung und Recycling künftig stärker unter dem Gesichtspunkt der Ressourcensicherung bewertet werden. Der Artikel zeigt, was sich aus der Evaluation für IT-Abteilungen, Betreiber, Entsorger und die praktische Organisation von Alt-IT ableiten lässt.

Von der Sammelquote zur strategischen Rohstoffsicherung
Die WEEE-Richtlinie setzt seit Jahren Mindestanforderungen für die getrennte Sammlung und Behandlung von Elektro- und Elektronikaltgeräten. Für die Mitgliedstaaten gilt grundsätzlich eine jährliche Sammelquote von 65 Prozent bezogen auf die durchschnittliche Menge neu in Verkehr gebrachter Geräte der drei Vorjahre. Die Evaluation der Europäischen Kommission zeigt jedoch, dass dieses Ziel in der Praxis nur selten erreicht wird. Im Jahr 2022 erfüllten lediglich Bulgarien, Lettland und die Slowakei die europäische Zielvorgabe. Ein erheblicher Teil der anfallenden Elektroaltgeräte wird daher nicht über nachvollziehbare Sammel- und Behandlungswege geführt.Auch Deutschland verdeutlicht die Lücke. Nach Angaben des Umweltbundesamtes wurden 2024 rund 920.000 Tonnen Elektroaltgeräte gesammelt. Die daraus ermittelte Sammelquote lag bei 28,7 Prozent und damit deutlich unter dem gesetzlichen Mindestziel. Gleichzeitig wurden in Deutschland weiterhin große Mengen neuer Elektro- und Elektronikgeräte in Verkehr gebracht. Die Recycling- und Verwertungsquoten der erfassten Altgeräte wurden zwar in den Gerätekategorien erreicht, die zentrale Schwachstelle liegt jedoch bereits davor: Geräte, die gar nicht gesammelt werden, können weder datenschutzgerecht behandelt noch für Wiederverwendung, Recycling oder Rohstoffrückgewinnung genutzt werden.Genau hier verbindet die Evaluation die Sammelquote mit dem Thema kritische Rohstoffe. Elektrogeräte enthalten unter anderem Kupfer, Edelmetalle, Seltene Erden, Gallium, Germanium oder Wolfram. Diese Materialien sind für Elektronik, Energie- und Kommunikationstechnik wirtschaftlich bedeutsam und teilweise mit hohen Versorgungsrisiken verbunden. Werden Server, Netzwerktechnik, Smartphones, Notebooks oder Leiterplatten nicht kontrolliert erfasst, gehen diese Rohstoffe entweder in nicht dokumentierten Wegen verloren oder werden nur unvollständig zurückgewonnen. Die bisher überwiegend gewichtsbezogenen Recyclingziele setzen dafür nach Einschätzung der Kommission nicht genügend Anreize. Massenmetalle lassen sich vergleichsweise effizient gewinnen, während kleine Mengen kritischer Materialien in komplexen Bauteilen besondere Verfahren und eine geeignete Vorbehandlung erfordern.Im Jahr 2026 wurde dieser Schwerpunkt durch eine EU-Durchführungsverordnung zum Critical Raw Materials Act weiter konkretisiert. Sie führt Produkte, Komponenten und Abfallströme auf, bei denen ein relevantes Potenzial für die Rückgewinnung kritischer Rohstoffe gesehen wird. Daraus folgt nicht automatisch eine neue Einzelpflicht für jedes Unternehmen. Die Entwicklung zeigt aber, in welche Richtung sich die Regulierung bewegt: Künftig dürfte stärker gefragt werden, welche Materialqualitäten tatsächlich zurückgewonnen werden, wie belastbar die Behandlungswege sind und ob die Herkunft der Stoffströme nachvollzogen werden kann.Für die Unternehmenspraxis bedeutet das, IT-Entsorgung nicht erst am Abholtag zu organisieren. Bereits bei der Aussonderung sollte zwischen Wiederverwendung, Reparatur, Ersatzteilgewinnung und Recycling unterschieden werden. Geräte mit noch nutzbarer Hardware können länger im Kreislauf bleiben. Nicht mehr wirtschaftlich nutzbare Systeme müssen dagegen fachgerecht demontiert und geeigneten Behandlungswegen zugeführt werden. Bei Servern und Rechenzentrumstechnik betrifft das beispielsweise Festplatten, SSDs, USV-Anlagen, Kabel, Leiterplatten, Netzteile und Batterien. Batterien und Akkus sollten, soweit technisch möglich und sicher, getrennt erfasst werden, weil für sie zusätzliche Anforderungen des europäischen Batterierechts gelten.Parallel bleibt der Datenschutz unverändert zentral. Eine hohe Rohstoffausbeute rechtfertigt keine unsichere Weitergabe von Datenträgern. Festplatten und SSDs müssen vor einer Wiederverwendung oder Verwertung durch geeignete Lösch- beziehungsweise Vernichtungsverfahren bearbeitet werden. Die Auswahl des Verfahrens hängt unter anderem vom Datenträgertyp, dem Sicherheitsbedarf und dem weiteren Verwendungszweck ab. Nachweise über Datenlöschung, Datenträgervernichtung, Übergabe, Behandlung und Verwertung schaffen dabei eine belastbare Dokumentationskette.Die WEEE-Evaluation ist damit weniger ein einzelner neuer Stichtag als ein regulatorisches Signal. Die Kommission prüft die Weiterentwicklung der Regeln im Zusammenhang mit dem geplanten Circular Economy Act. Unternehmen sollten deshalb ihre Prozesse bereits heute auf drei Ziele ausrichten: möglichst vollständige Erfassung, sichere Datenbehandlung und hochwertige Rückgewinnung von Materialien. Ein zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb wie Corebo kann dabei Abholung, IT-Rückbau, Datenträgervernichtung, sichere Datenlöschung, Recycling und die Ausstellung von Entsorgungs- und Vernichtungsnachweisen in einem dokumentierten Prozess verbinden. Entscheidend ist nicht allein, dass Alt-IT abgeholt wird, sondern dass ihr weiterer Weg transparent, sicher und ressourcenschonend bleibt.

